Böse Frauen

Gedanken, Ideen, Fallgeschichten, Fakten, Kolumnen & Geschichten, lose Fäden und Hanebüchenes

Diu übel Adelheit

Ich stöbere gerade hier und da in den mittelalterlichen Mären – welche reich sind an bösen Frauen. Diese Erzählungen sind derbe, vulgär und brutal. Die Frauen sind da zänkisch und heimtückisch, sie quälen ihre Männer, sind wollüstig und die Ehe ist ein Schlachtfeld der Bösartigkeiten.

Fangen wir aber mit etwas Leichtem an – einer Geschichte, die für den Mann gut ausgeht.

Die üble Adelheid – etwa Ende 13. Jh., Verfasser unbekannt, Entstehungsort: nahe Augsburg. Zu finden bei Lutz Röhrich.

Markhart hat es nicht leicht. Markhart ist ein redlich arbeitender Mann, ein Bauer mit Hof und bisschen Geviechs und es könnte ihm so gut gehen – wäre da nicht Adelheid. Adelheid ist seine Frau und Adelheid macht immer und grundsätzlich das Gegenteil von dem, was der Markhart sagt.

In den Versen erfährt man nicht viel zu Vorgeschichte, aber ich stelle mir das so vor: Die Adelheid war ein fesches Ding. Heutzutage wäre sie vielleicht Influenzerin oder Azubi zur Sachbearbeiterin in der Rentenstelle – halt eine Maid, bei der die Lashes sitzen und die regelmäßig zum Fitness geht und die Haare lang und blond oder wenigstens lang und brünett – und die außerdem eine gewisse Neigung zur eigenständigen Meinung hat. Damit rechnet Mann u.U. aber nicht. (Ich kuck hier keinen an.) Und auch Markhart hat das mit der eigenständigen Meinung in seiner Verliebtheit nicht mitbekommen. Passiert.

Jetzt sind die beiden jedenfalls verheiratet und Adelheid, das widerspenstige Biest, macht nicht nur NICHT was man ihr sagt, sondern immer genau das Gegenteil. Und warum? Natürlich nur, weil sie ein böses Weib ist. Logisch. “Grad zum Schur”, wie meine Oma immer gesagt hat. “Grad zum Schur”.

Irgendwann übertreibt es Adelheid aber dann doch und tut das, was die richtig üblen Ehefrauen eben so tun – sie verweigert … nein, nicht die eheliche Pflicht, schlimmer: sie verweigert ihm das Essen. Gibt nix. Küche kalt. Und kaufen darf er sich auch nix, der arme Markhart.

und waer ez din grimmer tot,/ du enbizest talanc kein gebrot./ du muost noch hiute vasten/ biz dir din ougen glasten.

(V. 17-20)

Dem Markhart reicht es da und da er gar nicht so dumm ist, wie er am Anfang scheint, denkt er sich: Höh, das nutze ich doch für mich – da mache ich einen auf ‘umgekehrte Psychologie’. Wahrscheinlich hat er das aus einem YouTube-Tutorial für leidende Ehemänner, nein halt, damals gab es das noch nicht – sagen wir, er hatte die Idee vom Pfarrer. Oder seiner Mutter. Ist ja auch egal.

Markhart regt sich auf. Ganz mörderisch und zwar darüber, dass die ganzen Leute hier zum Markt rennen, nach Augsburg. Schrecklich. Und Adelheid so: “Was? Markt! Da gehen wir auch hin!”

Markhart: “Nein, niemals, ganz scheußlich das alles.”

Adelheid: “Doch. Du musst.”

Also gehen die beiden zum Markt, weil Adelheid sich halt immer durchsetzt, und dann sehen sie einen Mann der trägt einen blauen Anzug. Von Boss. Und eine lachsfarbene Krawatte. (Ich weiche hier ein wenig vom Original ab, wegen der besseren Verständlichkeit, merkt ja keiner.)

Markhart: “Boah, schau dir diesen Yuppie an! Wie schaut das denn aus! Blauer Anzug! Blau! Grauenhaft.”

Adelheid (na, könnt ihr es erraten?) – richtig, Adelheid zerrt Markhart in den nächsten P&C und zack, hat er auch einen blauen Anzug. Doch damit nicht genug, als nächstes möchte Markhart etwas gesundes essen – Vegane Ketoburger* und Salat, dazu ein erfrischendes Glas Wasser, ohne Sprudel.

Adelheid aber greift durch, sie zwingt ihn zu Haxe mit Röstkartoffeln, Bier und einen Obstler als Abgang.**

Dann macht man sich auf den Heimweg, natürlich nur, weil Markhart, der müde und erschöpft ist von seinem Eheleben, sagt, er wolle gern noch etwas bleiben – und man geht nebeneinander den Fluss entlang und als der Markhart zu Adelheid sagt “Pass uff, geh da mal nicht so nah dran” da macht sie noch einen Schritt zur Seite, fällt in den Fluss und versinkt.

Und weil der Markhart aber ein guter Kerl ist, sucht er ihre Leiche. Als ein ‘Reiter’ kommt – also in unserer Geschichte ein Jogger oder ein Rennradfahrer – und ihn fragt, was er da suche (Ey, was mache Sie denn da? Hier dürfe Sie nicht schwimmen!) und Markhart ihm sagt, er suche seine tote Frau fragt er: “Wo ist die Gute denn ins Wasser gefallen?”

“Na, da und da …”

“Aber Mann! Sie Depp, Sie! Sie suchen ja stromaufwärts! Das geht doch gar nicht, stromabwärts müssen Sie suchen!”

“Ha, was, die Adelheid, die war so ein widerborstiges Biest, die macht nicht mal um Tode, was sich gehört …”

“Oha, na, dann suchen Sie sie mal lieber nicht – der Teufel soll sie finden.” Und so gingen beide ihrer Wege und der Markhart lebte glücklich und zufrieden. Ob er nochmal geheiratet hat, ist nicht überliefert.

Das ist jetzt leichthin erzählt – ein Lehrmärchen, dass die Frau zu Gehorsam anmahnen soll, weil der Ehemann ihr am Ende ja doch überlegen und sowieso der Klügere ist.

Aber Adelheids ‘Widerstand’ kann man auch ernsthafter lesen – und zwar übt sie sehr direkt Macht aus. Zum einen, indem sie das gesamte Geld unter sich hat und ihr Mann ohne ihre Zustimmung nicht mal ein Brot kaufen kann – zum anderen, weil sie zur körperlichen Gewalt greift, um ihren Willen durchzusetzen.

Wäre das eine in den Geschlechtern vertauschte Geschichte, würde wir über Narzissmus, toxische Männlichkeit, Machtmissbrauch und eheliche Gewalt reden.

Ich mag nicht so gern mit solchen derben Geschichten, die sich eines brachialen Humors und der Übertreibung bedienen – und ganz klar der Erziehung dienen – feinsinnige Interpretation treiben. Das geht völlig an ihrem Wesen vorbei. Das sind Geschichten, die einer patriarchalen (und christlichen) Denkwelt entstammen – und damit ist viel eher die Frage: Warum gibt es so viele Mären von bösen Weibern? Gerade in patriarchalischen Gesellschaften?

tbc.

*Roggenbrot und H2O

**Weißbrot und guter Wein

Das gute Böse – Lesebühne

Das Böse und die Böswichter*innen – gut das es sie gibt, weil was wäre eine gute Geschichte ohne das Böse?

Bei den #berlinauthors auf der Lesebühne am

10 Juni um 20 Uhr

wird darüber gesprochen, diskutiert, getratscht und geplaudert.

Garantiert höllisch gut und anständig übel. Mit tollen Gästen und mit mir. Klickt rein.

(Das gute an Twitch : man braucht keinen Account, um nur mal reinzuschauen, will man aber mitchatten, Fragen stellen und die Teilnehmer mit Lob und Blumen bewerfen, müsste man sich anmelden.)

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Die Tilgerin

Lamaštu – Löwenköpfige Tochter des An, machtvolle Göttin und Todesdämonin. Schlangen in den Händen, an den schweren Brüsten saugen jeweils ein Hund und ein Schwein – der Rest des Körpers ist behaart, wie der einen Werewolfs, die Füße sind Klauen.

Sie kommt und tötet die ungeborenen und neugeborenen Kinder, sie ist Seuche und Folter zugleich. Sie lebt im Unrat, im Sumpf, im Tierkot, ihr Pestatem raubt Mutter und Kind das Leben; sie trinkt genüsslich das Blut ihrer Opfer und nagt die Sehnen von den Knochen. Lamaštu zählte einst zu den Göttern, wandelt aber nach ihrer Vertreibung als Dämonin auf der Erde, gekommen um eine Überbevölkerung zu verhindern.

Mythologie (in diesem Fall: Mesopotamien) ist schon was feines. Da geht es zur Sache. Da sind die bösen Frauen unrasiert und fressen kleine Kinder. Wenn man das mit den bösen Frauen unserer Zeit vergleicht – also mit Heidi Klum oder Beatrice Storch … nee, Scherz. Sind ja beides keine Göttinnen, das gilt natürlich nicht.

Aber im Ernst gefragt: Wie steht unser heutiges Frauenbild zu solchen machtvollen und düsteren Frauenfiguren? Halten wir das aus, dass etwas pur weiblich und zugleich dreckig, hässlich, widerwärtig und gewalttätig sein kann?

Man könnte natürlich unzählige Blogbeiträge über mythologische böse Frauen schreiben – und ich hier und da werde ich das vielleicht auch noch tun – was mir aber an der über 4.000 Jahre alten Erzählung über Lamaštu so wesentlich erscheint, ist die Naturgewalt, die sie verkörpert. Sie ist der Kindstod, die Pest, die Seuche, die personifizierte Krankheit.

Sie tötet nicht durch Blitz und Donner, nicht durch Waffengewalt, nicht im Krieg oder Kampf – sondern schleichend, leise und – wenn man so will – tückisch. Aber nicht im Sinne von Heimtücke (welche man ab dem 19. Jh. oft als Wesenszug der Bösen Frau benennt) – sondern in Form der Gegenmacht zur Fruchtbarkeit. Ihre Aufgabe ist die Regulation. Das Verhindern einer Überbevölkerung der Erde. Daher auch ihr Beiname: die Tilgerin.

Das ist nicht verwunderlich: die Fruchtbarkeit ist (ich behaupte immer) weiblich besetzt, ergo ist ihr dunkles Spiegelbild auch Frau.

Lamaštu ist ein Scheusal – oder anders: sie ist gar scheußlich anzuschauen. Das ist etwas, was sie mit vielen anderen machtvoll-bösen Frauen gemeinsam hat – Medusa, die Furien, Baba Yaga, Sirenen & Harpyien, Frau Holle – vor allem eben mit jenen, deren Wesen einer Naturgewalt entspricht oder entspringt. Sie ist scheußlich, aber ganz offensichtlich weiblich. Mehr noch: sie nährt mit ihren Brüsten, wie eine Mutter das tut, nur nährt sie kein Kind, sondern Welpe/Ferkel – beides unreine Tiere.

Viele Motive aus den Erzählungen zu Lamaštu finden sich in mythologischen (literarischen) Figuren späterer Zeit wieder, was aber (für mich sehr offensichtlich) fehlt ist – wie benenne ich das? Nun, das weibliche Scheusal in unseren Erzählungen verbirgt häufig sein Äußeres. Seine wahre Gestalt. Zauberei, Täuschung, List – unzählige weibliche Figuren, die sich ‘verschönern’. Einerseits um harmloser zu wirken, klar, aber anderseits geht es da auch immer um Aneignung von ‘echter’ Weiblichkeit, die ihrem ‘wahren’ Wesen fehlt.

Eine Frau ist schön – und wenn sie es nicht ist, so tut sie zumindest ihr bestes. Denn über die Schönheit gewinnt sie den Mann und was den Mann nicht zu gewinnen weiß, ist nicht weiblich.

Falls ihnen dieser Kreisgedanke absurd scheint, lesen Sie einfach mal 10 min im Social Media mit, wo unter jeder starken (grenzgängigen, eigenwilligen oder nur lauten) Frauenmeinung steht: Du bist hässlich und keine richtige Frau.

Lamaštu aber ist hässlich und durch und durch weiblich.

Das Motiv der ‘Verschönerung’ fehlt bei Lamaštu völlig. Die wälzt sich brüsteschwingend im Abfall und sabbert Löwenspucke auf ihr Frühstück – und nichts davon nimmt ihr Weiblichkeit und weibliche Macht. Und in dem Sinne: absolut tauglich Rollenvorbild, trotz der dämonischen Tendenzen.

Das Berlingefühl

Mir fehlt Berlin. Jaja, klar, man fährt gelegentlich von Rand-Berlin nach Richtig-Berlin rein, ist dann völlig fassungslos, weil man in der Kantstraße einen Parkplatz findet, holt sich ein paar Comics in Kreuzberg, damit der Comichändler überlebt, usw. usf. … aber das Berlingefühl mit Sommernächten, Erdbeerbowle, Tretbooten, Menschenmassen, S-Bahn-Chaos, ganze Schafe grillen im Park und Porsches auf dem Ku’damm, die bunten Menschen und der Wirrwarr der Sprachen und der Geruch von Gras und Döner … dieses immer leicht angeranzte und immer großschnäuzige und was immer Berlin für euch ausmacht. Es fehlt.

Und da ist es ein wenig tröstlich und ein wenig traurig, wenn ein junges Berliner Bündnis&Verlag-Unternehmen, die #BerlinAuthors, Anthologien macht, und alle haben dieses Berlin-Gefühl. Man liest und ist in einem ständigem ‘Hach’ oder ‘Meh’ oder ‘Snüff’. Falls also jemand nostalgisch oder vorfreudig-hoffend sein mag oder einfach nur, weil es so schön ist, sich ein bisschen Berlin reinzuziehen: Holt euch das Buch. Oder gleich alle. Lohnt sich.

Großstadtklänge:

Von singenden Vögeln in dunklen Gassen

– 9. Dezember 2020

von S. M. Gruber (Herausgeber), Liv Modes (Herausgeber), Jen Pauli (Herausgeber), Katharina Stein (Herausgeber)

12,90 Euro

Sprache : Deutsch

Taschenbuch : 256 Seiten

ISBN-10 : 3752661941 ISBN-13 : 978-3752661941

Kauf mich \o/

Mythenmetzsche Abschweifung:

Was hat das jetzt mit bösen Frauen zu tun? Naja, es hat mit mir zu tun und das reicht ja wohl.

Nix hat es mit bösen Frauen zu tun, aber ich wollte so gern davon erzählen. Ich habe nämlich ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Anthologien. Als ich so richtig jung war (damals, einst, once upon a time), da liebte ich Anthologien, ich bekam sie auch dauernd von der Familie geschenkt, weil ‘du liest ja gern’ und ‘da sind lauter berühmte Schriftsteller drin, hat der Buchhändler gesagt’ – jedenfalls waren Anthos für mich das Tor zu den großen Stimmen. Versammelt zu einem Thema, einem Anliegen, einer Idee. Und wie vielfältig diese Stimmen waren, wie jede ihren ganz eigenen Klang hatte. Rilke, Egon Erwin Kisch, Böll, Bachmann, Kaleko … ihnen allen begegnete ich das erste Mal in einer Anthologie.

Später dann, schreibend, waren Anthologien der erste Schritt ins Veröffentlichen. Bei Wettbewerben, wo man zwar nicht ganz, ganz vorn dabei war, aber doch mit in der Anthologie, oder bei Projekten, Kleinverlagen, Foren … irgendwann hatte und hat man stapelweise Anthos. Nicht nur die eigenen, sondern auch noch die von all seinen Freunden und den Freunden von den Freunden, und um ehrlich zu sein, schaffe ich oft genug gerade so den Text, das Gedicht, die Geschichte der Freunde zu lesen – der Rest wandert unbesehen und unbelesen ins Regal.

Das ist natürlich gemein und böse (ha!) – aber so ist das eben. Mit der Zeit kennt man eh mehr Leute, die schreiben, als solche, die lesen.

Die letzte Anthologie, die ich geschenkt bekam, war von einer Buchhändlerin, die mich erst für eine Lesung angefragt hatte und dann doch abgesagt und es war “Geduld ist alles” – Geschichten und Gedichte über das Warten. Diogenes. So als Trostkeks, oder was immer die Botschaft auch war.

Jedenfalls habe ich da rein- und drein- und rundherumgelesen und das wohlige Anthologiegefühl wollte sich gar nicht recht einstellen, es war mehr so: puh, die richtigen Schriftsteller haben es auch nicht leicht – ein Leben für die Literatur, endlich wird man berühmt und dann endet man in so nem Geschenkbuch.

“Großstadtklänge” ist die zweite Berlinanthologie der #BerlinAuthors und sie vereint, wenn ich mich jetzt nicht verzählt habe, 31 Berliner Autoren. Und jede erzählt von einem ganz besonderen Klang – einem Berlin-Sound, einem Geräusch, einem Laut oder einem Leise, das Berlin ist. Das Rattern der Bahn, der Fernseher des Nachbarn, die Musik in den Clubs oder das Schweigen hinter dem Lärm. Immer ist es mehr als ein Geräusch, immer ist es eine kleine Geschichte – in Berlin, um Berlin, mit Berlin und aus Berlin. Die große Stärke dieses Buches ist die Mannigfaltigkeit der Stimmen. So bunt wie die Stadt, so verschieden wie die Leute hier, ist auch die Textauswahl.

Die größte Schwäche ist: die Mannigfaltigkeit der Textauswahl. Weil die Art der Kurzerzählungen eben von Genre bis E von gestandenem Erzähler bis erster Versuch reicht – lässt es sich nicht vermeiden, dass man die eine Geschichte mehr mag als die andere. Und auch das liebevolle und genaue Lektorat kann da nicht soweit ausgleichen, dass man in den Sog kommt, den man von Büchern kennt, die man von vorn bis hinten ließt. Hier gleitet man nicht, man hopst.

Und wenn man schon hopst und Berlin zum Thema hat, dann könnte man durchaus noch etwas abgründiger, experimenteller, wilder, böser, literarischer, anarchistischer springen und vielleicht ist es mir! (und nur mir?) auch einfach nur ein bisschen zu brav und ein bisschen zu konservativ. Wobei man da wieder sagen muss: Anthologieerschaffer können stets nur aus den Texten wählen, die eingeschickt werden, und kann natürlich gut sein, dass die wilden Literaten Berlins da einfach noch nicht bei waren.

Außerdem sind Anthologien immer auch wie Buffets – man nascht von allem, man mag nicht alles, man hätte ausgerechnet von dem einen Dings mehr als da ist – aber das heißt ja nicht, dass man nicht satt und glücklich nach Hause rollt und sich auf das nächste freut.

Summa Summarum: Hach, Berlin. Ick vermiß dir, aber kommt ja zum Glück wenigstens bald die nächste Antho …

Mutti?!

An sich wollte ich von Frau Trude erzählen, einer Frau, die ein Kind in leuchtend helle Flammen aufgehen ließ – aber ob das an Schaurig-Bösem mit Frau Baerbock mithalten kann, die wahrhaftig Bundeskanzlerin werden möchte, obwohl sie Mutter von zwei Kindern ist? Puh.

Ist das noch Provokation oder die berechtigte Sorge eines jungen Mannes, Frau Baerbocks renitentes Verhalten könnte abfärben und Mutti Brechtken geht morgen auch arbeiten? Und wer bügelt dann die Hemden? (Die Zugehfrau, schon klar, aber trotzdem.)

Aber das Thema ist interessant. Was ist eine gute Mutter? Oder: was ist eine Mutter? Und gibt es etwas Böseres unter Frauen als die, die keine guten Mütter sind? Nicht umsonst beginnen viele, viele Märchen mit bösen (Stief)-Müttern.

Mutter bist du, wenn auf dieser Welt ein Kind ist (oder war), das dich so nennt. Und wenn du wissen willst, ob du eine gute Mutter bist, dann frage das Kind. Ok. Vielleicht fragt man Kinder auch lieber erst nach der Pubertät, aber ey, das Prinzip. Ne. Das Prinzip ist klar.

Die Erwartungen der Gesellschaft an eine Mutter sind aber andere. Mutter ist, wer mütterliches tut. Und mütterlich ist nicht etwas leuchtend-heroisches wie Drachen erschlagen und Welt retten, sondern: Care-Arbeit. Da sein. Windeln wechseln, Tränen trocknen, Vorlesen, Hemden bügeln, was weiß ich. Und zentral eben: da sein. Ganz und gar und sich selbst zurückstellen. Dieses ‘sich selbst zurückstellen’ oder auch ‘sich nicht so wichtig nehmen’ das ist noch immer DER Denk- und Erwartungskern von Mütterlichkeit. Eine Mutter ist immer da. Für das Kind, die Kinder, die Familie, (den Mann). Physisch, psychisch, emotional.

Geht das, wenn man Bundeskanzlerin ist? Nö. Da ist man ziemlich oft physisch woanders und wo man mit seinen Gedanken so alles sein muss, will ich gar nicht wissen. Also, hat Bennie da schon nen Punkt: gute Mutter ist nicht, wenn man nur an sich selbst denkt und partout ein Land wie Deutschland regieren will.

Guter Vater dann aber auch nicht.

Gute Eltern regieren nicht. Zack, fertig.

Nope, nicht fertig, denn es ist eben nicht dasselbe. Ein Vater kann jederzeit zu einer Heldentat aufbrechen und im schlimmsten Fall findet man das ‘schade’. Oder ‘ein Opfer’ oder sogar ‘ein Opfer für die Familie’, weil einer muss ja das Mammut …

Eine Mutter, die weggeht – aus welchem Grund auch immer; ob nun um Kanzlerin oder Astronautin zu werden, an einem Segelrennen teilzunehmen – oder einfach nur um in einer neuen Beziehung zu leben und die Kinder beim Vater zu leben lassen – löst sofort nervöse Abwehrreflexe aus.

Die Argumentation, gerade auch von Seiten der Frauen, dreht sich dann um Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das Organisationstalent von Frauen, das schon an Zauberkräfte heranreicht, wenn man so zuhört, die kühne Behauptung, dass es möglich sei, alles zu haben und zu leisten – weil, so behaupte ich jetzt: Eine Frau, die ihre Familie verlässt (und sei es nur zum Arbeiten) ist ‘böse’. Und Frauen dürfen nicht böse sein. Sind nicht böse. Frauen sind die Guten.

Deswegen wird so getan, als könnte man 100% Bundeskanzlerin und 100 % Care-Arbeiter* sein, man müsse das nur organisieren. Weil Frauen verlassen ihre Familie nicht, die sind nur kurz mal weg den Putin in die Schranken weisen und dann holen sie Kids von der KiTa ab.

Vielleicht bekommt das Frau Baerbock wirklich hin, ich persönlich bekomme schon weit weniger nicht hin, aber naja.

Jedenfalls: wird Frau Baerbock mit Sicherheit eine gute Mutter sein – egal welchen Beruf sie zukünftig ausübt. Und dem Rest der Welt wäre zu wünschen, dass er ‘Mutter’ und ‘Carearbeit’ und ‘Selbstaufgabe’ mal voneinander trennt. Aber das dauert noch, fürchte ich, und das hat gar nicht so viel mit den Bennies dieser Welt zu tun.

Vom Schweigen der Frauen

Magaret Atwoods Report der Magd ist eine 1985 erschienene Dystopie, die nichts an Aktualität eingebüßt hat.

In einer nahen Zukunft übernimmt eine radikal-religiöse Vereinigung die Macht und zwingt die Menschen in ein strenges, gnadenloses Kastensystem. Eine religiöse Diktatur, ein System aus Überwachung, Strafe und Privilegien.

Der heilige Gral ist die Fruchtbarkeit – Kinder sind selten geworden. Die Ursache dafür bliebt, wie vieles, in Andeutungen. Umweltzerstörung, Strahlung, Pandemie, eine Mischung daraus, letztlich spielt es keine Rolle. Die Mägde, junge, fruchtbare Frauen werden mächtigen Männern zugeteilt, rituellen Befruchtungsvergewaltigungen unterworfen und ihre Identität ist beschränkt, beschnitten, reduziert allein auf die der Austragenden, der Gebärenden. Es ist – für die Zeiten – ein privilegiertes Leben, sie müssen nicht arbeiten, wenig tun, sie bekommen gesundes und ausreichendes Essen, sie werden geschützt, medizinisch betreut, sie werden beneidet und gehasst. Die Blicke folgen ihnen, wenn sie in leuchtendes Rot gekleidet, die Straßen entlang gehen.

“Es gibt eine Freiheit zu und eine Freiheit von” heißt es relativ zu Beginn des Buches – und es gelingt Atwood, bei allem Schrecken und Schrecklichen der ‘neuen’ Zeit, die alte Zeit nicht als Sehnsuchtsort erscheinen zu lassen. Waren Frauen je frei? Waren Menschen je frei?

Der Report der Magd ist eine tagebuchähnliche Aufzeichnung. Die Ich-Stimme ist keine laute. Die Protagonistin ist keine Kämpferin, ihre Mutter war eine, die beste Freundin – war es in der alten Zeit und eine kurze Weile in der neuen. Die Erzählstimme rebelliert nicht, sie erfasst nicht einmal genau, was geschieht – sie versucht weder Hintergründe noch Ursachen zu erforschen oder zu verstehen. Sie berichtet nur klein, klein, klein von Einkäufen, Blumenbeeten, Blicken der Frauen, den Haushaltsabläufen, den Forderungen, die sie erfüllen muss, um zu überleben und dem kleinen Fluchtmoment des Verliebens in einer lieblosen Welt – und all das Kleinklein ist durchwebt von Erinnerungen an die alte Zeit und den Beginn der neuen.

Doch: Allein, dass sie spricht, dass sie nicht verstummt, dass sie sich selbst erzählt und damit auf sich selbst beharrt – ist Macht. Sie ist nicht ‘Magd’ – sie ist ein ‘Ich’.

Das Wesen, der Kern dieses Buches sind nicht die Gräuel, die mehr angedeutet als erzählt werden, sondern das Schweigen. Das Schweigen der Frauen. Denn das ist, was geschieht: sie werden zum Schweigen gebracht. Es ist ihnen verboten zu lesen, zu schreiben, jeder Buchstabe, und sei es nur ein Straßenschild, ist ausgemerzt für die Augen der Frauen. Und auch das Reden – untereinander, miteinander – ist reduziert auf Floskeln, rituelle Worte, antrainierte Phrasen.

Frauen in höheren Positionen unterliegen diesen Beschränkungen weniger offensichtlich – doch auch ihr Reden ist begrenzt. In den Themen, in der Hörweite, in der Macht.

Eine Welt des Schweigens ist es, die Atwood da entwirft, all diese schweigenden Frauen – und es so ist das verruchteste was geschieht nicht etwa, dass der Mann, dem die Magd zugeteilt ist, sie heimlich in ein Neuzeitbordell mitnimmt, nein, es ist das verbotene Spiel, das sie spielen.

Scrabble.

Mädels, redet miteinander! will man reinrufen, denn würden diese Frauen sprechen, miteinander, sich flüstern verbünden, tratschend die Rebellion planen, schnackend die Weltherrschaft an sich reißen – dann wäre aber ratzfatz vorbei mit der Macht der Männer. Das Fehlen von Solidarität. Das auch.

Doch eigentlich die Frage: Wie sehr muss man (Mann) eine Frau fürchten, die spricht?

Nun, olle Adam (wir erinnern uns, Paradies, Apfel) würde wahrscheinlich sagen: Mehr als die Hölle.

Und so erzählt das Buch in gewisser Weise nicht nur vom Schweigen der Frauen, sonder ganz zentral von der Angst der Männer. Das Sprechen der Frauen ist Böse. So ziemlich jede “böse Frau” ist eine, die spricht, deren Worte pures Gift sind. Denunziantinnen sind geschwätzige Verräterinnen, Hexen sprechen Flüche und Verwünschungen aus, die böse Zunge der Ehefrau und Schwiegermutter, der (männer)-vernichtende Gesang der Sirenen, die nervige Vorhersehungen der Kassandra und überhaupt, was muss der Mann immer leiden, weil die Frau dauernd reden will.

Wie in allen Gemeinden der Heiligen 34 sollen die Frauen in den Gemeindeversammlungen schweigen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. 35 Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie zu Hause ihre Männer befragen. Schändlich ist es nämlich für [die] Frau, in [der] Gemeindeversammlung zu reden. 36 Oder ist von euch das Wort (des) Gottes gekommen? Oder ist es zu euch allein gelangt?

1 Kor 14,33b-36:33b

Das Buch endet mit ein klein wenig Hoffnung, damit, dass die Magd Gelegenheit bekommt, sich zu erzählen, den Report auf Kassetten zu sprechen und Zeugnis abzulegen. Irgendwann später gehört zu werden. (Und brillant ist, wie Atwood auch dieses Gehörtwerden wieder kippen lässt – aber ich will nicht spoilern.)

Unterm Strich bleibt: Seid böse Frauen. Verstummt nicht. Erzählt. Seid leise oder laut in euren Worten, aber redet. In euren Jobs, euren Beziehungen, mit euren Kindern. Das Wort ist mächtig, auch wenn es leise fällt.

Frauen und Kriminalität

Wenn man mal eben so durchzählt, gibt es in Deutschland mehr Frauen als Männer. Über die letzten Jahre sind Frauen recht stabil mit etwa einer Million in der Überzahl. In der Kriminalitätsstatistik aber hängen die Männer die Frauen aber locker ab – nur etwa 6 % aller Inhaftierten sind Frauen.

Dieses statistische Ungleichgewicht ist kein deutsches Phänomen. In allen Ländern begehen Frauen weniger Delikte als Männer – der Prozentsatz, also “wie viel weniger” ist unterschiedlich. Aber man kann schon frei raus sagen: Frauen sind, statistisch betrachtet, weniger kriminell als Männer. Der einzige Verbrechensbereich, in dem Frauen führen, ist der der Kindstötung bei Kindern unter sechs Jahren. (Dazu an anderer Stelle mehr.)

Frauen taugen also nicht zum Verbrecher. Woran liegt das? Sind Frauen nicht böse genug? Ist es die Biologie, die Natur der Frau – ist Sanftmut oder wenigstens das Meiden krimineller Handlungen und der damit verbundenen unangenehmen Folgen angeboren? Die Erziehung vielleicht? Landen Frauen einfach seltener in der Statistik, weil das Rechtssystem sie häufiger verschont? Oder lassen sich Frauen einfach seltener erwischen?

Das haben sich schon klügere Köpfe gefragt. Die Herren Lomborso und Ferrero entwickelten um 1895 herum eine Theorie, nach der Frauen sozusagen der innere Antrieb fehlt. Schon allein die Eier, wenn die so lethargisch im Eierstock herumlungern, sind nicht vergleichbar mit den wilden, agilen und aggressiven Spermien. Die Frau also, wenn sie eine verbrecherische Veranlagung hat, tut was?

Sie legt sich hin.

Das ist jetzt ganz klein wenig überspitz geschrieben. Aber die aus der ‚Passivität der Frau‘ entwickelte Gleichverteilungsthese, die, wenn auch in moderner Abwandlung noch bis in die 70ger Jahre des letzten Jahrhunderts postuliert wurde, besagt: Frauen sind genauso böse wie Männer – aber sie begehen seltener Verbrechen, sie werden einfach Prostituierte. Und wenn man jetzt einfach alle Prostituierten mitzählt, dann hat man genauso viele böse Frauen wie Männer. Fertig. (Naja, wenn man jetzt alle Freier mitzählt, sind die Männer zwar wieder in der Überzahl, aber wer wird so pingelig sein.)

Belegt wurde das übrigens nie – der einzige Bereich, in dem die Gleichverteilungsthese festen statistischen Boden unter den Füßen hat ist die Beschaffungskriminalität bei Drogenabhängigen.

Aber lasst uns offen bleiben und die Frage behalten: Ist Prostitution die weibliche Alternative zu Verbrechen?

Bei der Gleichverteilungsthese spielen neben dem Ausweichen in die Prostitution noch zwei weitere (vermutete) Phänomene eine Rolle:

  • Hinter jedem Verbrecher steht eine starke Frau.
    • Heißt: Frauen sind kriminell, stehen aber in der zweiten Reihe. Sie neigen eher zu Manipulation und Hinterlist und verbünden sich mit dem kriminellen Mann oder aber stiften den Mann an – wenn es dann zur Strafverfolgung kommt, sind sie außen vor.
  • Die Ritterlichkeitsthese
    • Diese besagt, dass Frauen bevorzugt behandelt werden – also sowohl Polizei als auch der Apparat des Rechtssystems milder mit ihnen umgeht. Weswegen besonders kleinere Delikte nicht zu Anklage kommen und/oder mit geringen Strafen geahndet werden.

Da wir es ja schon von lethargischen Eizellen hatten – ein Blick auf die Biologie: Natürlich gibt es immer wieder Ansätze, die hinterfragen, ob der unterschiedliche Chromosomensatz, der hormonelle Status, die Gehirnstruktur eine Ursache sein könnte. Ums kurz zu machen: Man weiß es nicht. Könnte schon sein, könnte auch nicht sein.

Macht die Biologie die Frau zum besseren Menschen?

Rein persönlich bin ich der Meinung, wir unterschätzen die Biologie gerne, weil wir so otzstolz auf unseren freien Willen sind. Die Wahrheit jedoch liegt immer irgendwo da draußen und dazwischen. Die Biologie ist unsere Hardware und sie spielt natürlich eine Rolle, welche genau werden wir vielleicht auch noch irgendwann begreifen. Aber die Gesellschaft ist die Software – und da sind wir dann bei den: Rollen- und sozialtheorethischen Ansätzen.

Da gibt es viele.

Erziehung, Prägung, Rollenverständnis. Frauen fürchten mehr die soziale Sanktion, Frauen sind stabilisierter durch die feste Einbindung in Familienstrukturen, Frauen haben keine Zeit für Verbrechen, da sie sich um die Kinder kümmern müssen. Ich kürze dies natürlich wieder rüde runter, wir sind ja zum Spaß hier.

Die Emanzipationstheorie besagt, dass je unabhängiger und selbstständiger Frauen werden, um so mehr werden sie auch in der Kriminialstatistik vertreten sein. In bestimmten Teilbereichen bestätigt sich diese Theorie – zum Beispiel bei zunehmenden Gewaltdelikten von jungen Frauen – insgesamt aber kann man das nicht als bestätigt betrachten.

Sind es also die 3 K – Kinder, Küche, Kirche – die Frauen an der Kriminalität hindern?

Vielleicht aber fragt man auch völlig falsch, wenn man vom Geschlecht aus fragt. Letztlich in jeder Kriminalfall, jedes Delikt die Tat einen einzelnen Menschen. Also steht dahinter immer eine einzelne Motivation – und das (objektive oder subjektive) Fehlen von Handlungsalternativen.

Es gibt zwei Grundmotive krimineller Taten: Geld und Macht. Und vielleicht sollte man einfach nur fragen: Was wollte die Person? Und welche Möglichkeiten hatte sie, um es zu erlangen?

Oder anderes: Worin unterscheiden sich die Möglichkeiten von Frauen und Männern?

Anmaßung

Schreiben ist Anmaßung.

Das ist es in vielerlei Hinsicht – aber in dem Augenblick, in dem man wahre Geschichten erzählt, oder nacherzählt, in dem man über ein reales oder zumindest realistisches Thema schreibt (und zwar belletristisch schreibt, was sich vom wissenschaftlichen und journalistischen Schreiben unterscheidet, aber das soll jemand anderer ausführen) ist es eine ganz besondere Anmaßung.

Belletristik ist immer Fiktion, weil es Transformation ist.

Ein großartiger Satz finde ich – damit ist bin nämlich direkt aus allem raus. Und er klingt auch so schön fundiert.

Aber die Sache mit dem Erzählen – und das Erzählen ist der Kern des belletristischen Schreibens für mich, für einen anderen mag er etwas völlig anderes sein und da geht es nämlich schon los: mich, ich, meins. Nichts kann wahr sein, wenn es meins ist. Auch so ein schöner Satz.

Aber sagen wir mal, ich versuchte wirklich und aufrichtig die Wahrheit zu erzählen.

Dann ist da zum Ersten, dass die Wahrheit meistens ziemlich öde ist. Weil sich nämlich die unterhaltsamen und langweiligen Fakten, die nützlichen und unnützen Details, das für eine Geschichte brauchbare und unbrauchbare stapelt, sammelt, anhäuft und zwar selten so, wie es einem in den Kram passt. Langeweile ist aber etwas für die Akten. Oder für Steuerberater. Und Juristen, natürlich. Die müssen sich natürlich auch mit all dem langweiligen Kram befassen. Jemand der Geschichten erzählt, muss aber genau das sein lassen.

Und zum Zweiten: Wer weiß denn, was wahr ist? Wenn man von Menschen erzählt? Und wenn man vom Bösen erzählt, erzählt man immer von Menschen. Vielleicht hat man noch eine einigermaßen anständige Sammlung von Fakten, wenn es um “Was ist geschehen” geht – und auch das nur, wenn man nicht allzu viel auf Zeugen und Hörensagen zurückgreifen muss – aber sobald es an das “Warum” geht, da steckt man dann mittendrin in der Mutmaßung und Anmaßung. Selbst, wenn man ein gestandener, erfahrener und ausgezeichneter Kenner der menschlichen Psyche ist, mit Uni-Abschluss und Doktortitel. “Du kannst keenem in den Kopp kucken”, hat Oma immer gesagt – und ich sage: Selbst wenn du es könntest? Wer sagt denn, dass du darin die Wahrheit findest?

Zum Dritten: ist alles in dieser Welt relativ und unterliegt dem Blickwinkel des Beobachters. Eine Geschichte ist immer auch eine Deutung und nicht nur Deutung des Erzählenden, sondern ebenso eine Deutung durch den Lesenden.

Lassen wir das also mit der Wahrheit und gestehen uns ein: Schreiben ist Anmaßung. Das gilt wie gesagt ganz besonders, wenn ich von Bösen Frauen erzähle – und bei aller Sorgfalt und allem Augenmerk, maße ich mir hier nie an, die Wahrheit zu erzählen. Aber durchaus erzähle ich (auch) von wahren Vorfällen und Begebenheiten. Unterm Strich ist es aber ein Nachdenken über böse Frauen – mit all den Löchrigkeiten und Widersprüchen, den Ansätzen und losen Fäden, den Denkfehlern und Irrtümern.

Diese Blog sammelt und versammelt, was mir an Bösen Frauen vor die Tastatur kommt.

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